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Evangelische
STIFTSKIRCHENGEMEINDE   DIEZ

10 Jahre Kämmerchenchor in der Diezer Stiftskirche

(Text: Rhein-Lahn-Zeitung, 17. Mai 2016.   Fotos: W. Rücker, F. Bartel)

Jubiläumskonzert: 15.05.2016


Es war beeindruckend, es war wunderbar – das Chorwerk "Die Israeliten in der Wüste" aus dem 18. Jahrhundert, das der gereifte, stark vergrößerte, verbesserte, erweiterte Diezer Kämmerchenchor am Pfingstsonntag den vielen interessierten Diezer Besuchern in der Stiftskirche bot. Ein Lob an die Diezer Bürger, in kürzester Zeit war der Kirchenraum randvoll besetzt und alle lauschten mit großer Konzentration dem Chor, der mit einem gut besetztem Orchester und vier herausragenden Solisten einen geistlich geprägten besonderen Ohrenschmaus bot. In den 10 Jahren nach der Gründung ist der damals recht bescheiden, aber mutig wirkende Kämmerchenchor erstaunlich schnell aus den Kinderschuhen herausgewachsen und unter Andreas Freses Leitung von ehemals sieben Aktiven zu einem Chor mit derzeit 28 Sängerinnen und Sängern angewachsen, der nun in der Stiftskirche verdienten Beifall und Lob erntete.

Jubiläumskonzert: 15.05.2016


Auch ein Orchester mit Flöten, Trompete, Pauke, Orgel, Cembalo, Bass, Geigen, Bratsche, Cello und natürlich Fagott bereicherte das chorische Thema Bachs. Sie hatten sich wirklich keine leichte Kost vorgenommen, denn „Die Israeliten in der Wüste“ von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788), ein Oratorium, dass bereits 1769 geschaffen wurde, ist nicht nur mit einem stimmigen Chor zu präsentieren. Es ist viel mehr, denn die Flucht durch die Wüste textlich und stimmlich glaubhaft darzustellen, ist Schwerstarbeit für Chor, Orchester und Solisten. Mit dem Verzicht auf bekannte Bibelzitate setzten die wunderbaren Akteure auf die Situation des qualvoll dürstenden Zuges der Israeliten durch die Wüste.

Jubiläumskonzert: 15.05.2016


Gemeinsam mit dem tragenden Chor brillierten Andreas Frese, Pianist und Liedbegleiter, (Tenor) als Aaron, der die Menge der Flüchtenden besänftigt und mit „Bleibt fest in allen Ewigkeiten“ beruhigt. Johannes Schwarz (Bariton) schlüpft hier in die Rolle des Moses und bittet klagend inständig „Gott, sieh dein Volk im Staube liegen“. Hannah Gries, (Sopran) erste Israelitin „Der Herr hat Lust an unserm Untergang“ zweifelt an Gott. Dorothee Laux (Sopran) „Der Herr ist mein Vertrauen“ lässt hoffen auf einen guten Ausgang. Hier setzte der Chor ein abschließendes Zeichen mit „Lass uns dir, allmächtge Güte, unsre Brust zum Tempel weihn“. Das stimmgewaltige und herausragende Bach-Oratorium beeindruckte immens. Pfarrer Ingo Lüderitz bedankte sich ganz herzlich bei dem Geburtstags-Chor, den Solisten sowie dem Orchester, die hier der Kulturstadt Diez sowie der evangelischen Stiftskirchengemeinde stilvoll und angepasst zum Pfingstfest die Ehre erwiesen.

Jubiläumskonzert: 15.05.2016


Ein wenig hat das Thema des fein und gleichzeitig streng abgestimmten Oratoriums an die heutige Flüchtlingssituation erinnert. Auch nach tausenden von Jahren, ist es ein ewig grauenhaftes Thema in unserer Welt. Carl Philipp Emanuel Bach, der berühmteste der Bachsöhne, hatte im Jahre 1769 das Fluchtthema aus längst vergangener Zeit eindrucksvoll bearbeitet. Dem Kämmerchenchor ist hierbei ein eindrucksvolles Werk zu verdanken, an dessen tiefsinniger Thematik die Politik auch heute noch meist hoffnungslos überfragt ist. Freudig zu bemerken war, dass auch ehemalige Gründungsmitglieder des Chores den Weg nach Diez fanden und die dargebotenen stimmlichen Leistungen mit viel Freude verfolgten.
Wilma Rücker

Jubiläumskonzert: 15.05.2016
EKHN