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Evangelische
STIFTSKIRCHENGEMEINDE   DIEZ

Wo die Prinzessinnen ruhen

(NNP, 18.07.2011)

Die restaurierte Gruft in der Stiftskirche ist ein kultureller Gewinn für die Stadt Diez

Mit der Restaurierung des Amalien-Sarkophages und der Fürstengruft hat das Oranierjahr in Diez einen Höhepunkt erreicht. Im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Stiftskirche wurde all jenen Dank ausgesprochen, die ihren Beitrag zu diesen Maßnahmen geleistet hatten.

Ab sofort können sich Diezer und auswärtige Besucher dort beides während der Öffnungszeiten der Stiftskirche in Ruhe ansehen. Dieter Wedlich, Vorsitzender des Kirchenvorstands, berichtete, dass vor 300 Jahren Prinz Johann Wilhelm Friso von Nassau-Oranien, der Stammvater des niederländischen Königshauses, in der Maas ertrank. Dieser Todestag war der Anlass, den Sarkophag seiner Mutter Henriette Amalie von Nassau-Diez, seiner fünf in Diez bestatteten Schwestern sowie die dazugehörige Gruft in der Stiftskirche mit Hilfe verschiedener Institutionen und Privatleuten restaurieren zu lassen.


Die viel zu hohe Luftfeuchtigkeit habe den Särgen und Gebeinen großen Schaden zugefügt, so dass ein gefährlicher Schimmelpilzbefall entstanden sei. Auch das Maürwerk habe sich in einem denkbar schlechten Zustand befunden und erneürt werden müssen.

Durch die unermüdliche Arbeit der Initiativgruppe "Oranierprinzessinnen" um Dr. Gernot Schäfer, Dr. Volker Schwamborn und Prof. Dr. Friedhelm Jürgensmeier wurden die nötigen Geldgeber gefunden. Alleine 130 000 Euro kostete nach Wedlichs Angaben die Restaurierung der Fürstengruft, wovon 80 Prozent das Land Rheinland-Pfalz und die übrigen 20 Prozent die Stadt Diez trugen. Weitere 90 000 Euro kostete die Instandsetzung des Sarkophags, für die es 40 000 Euro Zuschuss von der Landeskirche Hessen-Nassau gab. 25 000 Euro konnte die Gemeinde durch Spenden selbst aufbringen, der Rest wurde von der Landesdenkmalpflege bezahlt. Weitere 8000 Euro der niederländischen Stiftung "Je maintendrai Nassau" sollen nach Aussagen Wedlichs helfen, das Gatter um den Sarkophag und die Dokumentation der Sanierungsarbeiten zu finanzieren. Die Stiftung schenkte der Stiftskirche zudem die neü bronzene Abdeckplatte für die Fürstengruft.

Frank Dobra, Erster Beigeordneter der Stadt Diez, nannte die Übergabe ein Glanzlicht des Oranierjahres. Die Gruft kenne eigentlich jeder Diezer, da sie viele Kindergarten- und Schulgruppen die letzten Jahrzehnte besucht hätten. Dobra zeigte sich froh über das Happy End, nachdem sich davor ewig lange in der Sache nichts getan habe. Erst als sich 2005 die Initiativgruppe gebildet habe, seien alle nötigen Stellen eingeschaltet worden, um die benötigten Mittel für eine Restaurierung zusammenzubekommen, so Dobra. Die Stadt Diez habe die Aktion nach besten Kräften unterstützt. Der Sarkophag biete nun wieder ein würdevolles Aussehen, und für die Gruft seien nach Reinigung der Gebeine und die Umbettung dieser in neü Särge eine Beleuchtungs- und eine Belüftungsanlage eingebaut worden, um künftige Schimmel- und Bakterienbildung zu verhindern. Alles zusammen sei jetzt wieder ein touristischer Höhepunkt. Dobra freute sich auch, dass die vorgesehenen Kosten insgesamt unterschritten worden seien. Derzeit werde noch versucht, herauszufinden, wer der Tote in dem sechsten Sarg in der Gruft sei.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Frank Puchtler meinte, Johann Wilhelm Friso habe trotz seines Todes als junger Mann Spuren hinterlassen. Nach dem frühen Ableben seines Vaters habe er in jungen Jahren schon Verantwortung übernehmen müssen, heute noch regierten seine Nachfahren die Niederlande. Von daher hätten die großes Lob verdient, die ein unglaubliches Engagement gezeigt hätten und auch unter Einsatz vielen Herzblutes die Sanierung angestoßen hätten.

Dr. Volker Schwamborn von der Initiativgruppe bemerkte, Gruft und Sarkophag böten für Diezer wieder ein vertrautes Bild. Beides seien die sichtbarsten Zeichen der Verbindung zwischen der Stadt und dem niederländischen Königshaus. Dieses Zeugnis der Geschichte habe unbedingt erhalten werden müssen. Deshalb freute sich Schwamborn, dass hier viele Hände in guter Harmonie zusammengearbeitet hätten, um die Restaurierung zu ermöglichen. Stefan Zeyen vom Architekturbüro Heinrich aus Dornburg sagte, als vor zweieinhalb Jahren der Auftrag eingegangen sei, habe sein Büro vor einer recht ungewöhnlichen Aufgabe gestanden. Es habe in der Vergangenheit nur wenige vergleichbare Projekte gegeben, und zunächst hätten die Arbeiter mit Atemschutz in die Gruft gemusst, um wegen des gefährlichen Bakterienbefalls den Raum zu reinigen und zu desinfizieren. Zeyen hält das Ergebnis für gelungen, denn alles sehe jetzt wieder nahe des ursprünglichen Zustandes aus, und auch das Problem mit der zu hohen Luftfeuchtigkeit in der Fürstengruft sei gelöst worden.

Der Leiter des Diezer Museums im Grafenschloss, Dr. Alfred Meurer, betonte, das Ergebnis der Sanierung stelle einen großen kulturellen Gewinn für die Stadt dar. Denn es handele sich dabei um Museumsstücke. Von daher sei er froh, dass sich die Gemeinde entschieden habe, die Kirche künftig täglich zu öffnen. Die Schwestern Johann Wilhelms hätten ja ihren Lebenspunkt wirklich in Diez, im Schloss Oranienstein, gehabt.

Nach dem Festgottesdienst mit Dekan Christian Dolke und den Pfarrern Gerd-Michäl Scheuch und Ingo Lüderitz, den Elisabeth Gramm an der Orgel sowie der "Kämmerchenchor" unter der Leitung von Andreas Frese (mit Katerina Dolke an der Orgel) bereicherten, trafen sich Ehrengäste, Gläubige und interessierte Bürger zu einem kleinen Empfang im Gemeindehaus.
 

EKHN