Das ist die Frage, die ich mir bereits seit meiner frühesten Kindheit stelle.
Sehr gut kann ich mich daran erinnern, dass ich abends nach dem beten in den Sternenhimmel schaute und Gott um eine Sternschnuppe bat – als Zeichen, dass er echt ist!


Auch im Alltag sollte Gott mir freundlicherweise den ein oder anderen Gefallen tun. So könnte er mir ja ruhig mal beim Suchen meiner Schulsachen helfen, oder einen Hinweis geben um Mamas Geburtstagsgeschenkeversteck zu entlarven. Jedoch hatte er sich nie auch nur ein klitzekleines bisschen behilflich gemacht.


„Er hat eben viel zu tun“, erklärte mir meine Mama.
Das klang für mein 5-jähriges Ich durchaus plausibel und wenn ich so recht darüber nachdachte, musste Gott wohl wirklich sehr beschäftigt sein. Fortan bat ich Gott nur um Hilfe, wenn es wirklich wichtig war und das war es eigentlich fast nie. Ich erinnere mich daran, dass ich ihn zwei, drei Mal nach etwas Zufriedenheit und Gesundheit für meine Familie fragte und dieser Wunsch wurde mir glücklicherweise immer erfüllt.
In der dritten Klasse erfuhr ich das erste Mal vom Holocaust. Da wäre es wirklich wichtig gewesen, dass Gott geholfen hätte. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt das wirkliche Ausmaß nicht mal ansatzweise verstanden hatte, wusste ich, dass Menschen sinnlos gestorben waren und Gott sie nicht vor dem Tode bewahrt hatte.

Kurz darauf starb ein Mitschüler meiner Grundschule an den Folgen eines tragischen Unfalls.
Erneut stellte ich mir die Frage: “Wo ist Gott und warum hilft er nicht?“
Mit 14 lernte ich im Konfirmandenunterricht, dass sich schon viele schlaue Leute mit dieser Frage beschäftigten.
Bereits lange vor mir wurden Theologen und andere gläubige Menschen vor ein grundlegendes Glaubensdilemma gestellt:
Wie kann ein allmächtiger und allliebender Gott das Leiden in der Welt zulassen?
Antworten hierzu gibt es viele, aber so richtig überzeugt hatte mich damals keine. So hatte meine Suche nach Gott mit der Konfirmation gerade erst angefangen.

Jetzt bin ich zwanzig.
Ich lebe in einer Welt, die akut von den Folgen des Klimawandels bedroht ist.
Ich lebe in einer Welt, voller humanitärer Krisen, voller Leid, Ignoranz, Tyrannei und Krieg.
Die Vorstellung, Gott werde kommen um Frieden und Heil über die Menschen bringen ist längst verblasst. Zumindest im bildlichen Sinne. Es kommt eben leider kein Typ mit einer Strickleiter vom Himmel geklettert und zaubert alles Kaputte wieder ganz.
Es wird auch keinen Tag X geben, an dem plötzlich Weltfrieden herrscht und alles Leid auf der Welt beendet ist.
Aber gibt es deshalb überhaupt keinen Gott?
Ist der 2000 Jahre alte christliche Glaube an einen guten und liebenden Schöpfer reine Spinnerei?

Ich denke das nicht. Vielleicht zeigt sich Gott nicht immer so deutlich, wie ich es mir gewünscht hätte. Vielleicht habe ich oft das Gefühl, er schaue einfach weg, oder sei sogar gänzlich aus unserer Welt verschwunden.
Doch etwas in mir will weiter an Gott glauben, auch wenn er sich aus vielem Leiden in der Vergangenheit und in der Gegenwart herausgehalten hat und weiterhin heraushält.

Etwas in mir fühlt sich Gott zu nah, als dass es nur das Ergebnis meiner frühkindlichen Erziehung sein könnte.
Da ist zum einen der Glaube an das Gute im Menschen, der mir besonders bei schreckliche Nachrichten Kraft schenkt und Mut macht, weiterhin an die Menschlichkeit zu glauben.

Jetzt gerade gehen tausende Menschen auf die Straße um für Frieden zu demonstrieren und das Leid in der Ukraine zu beenden.
In der Vergangenheit gab es immer wieder mutige Menschen, die sich für Gerechtigkeit ohne Hintergedanken eingesetzt haben.

Persönlichkeiten wie Nelson Mandela oder Mahatma Ghandi sind vielen von uns ein Begriff.

Nelson Mandela war der erste schwarze Präsident von Südafrika und schrieb eine Verfassung, die sowohl Rechte von Minderheiten, als auch die Meinungsfreiheit garantierte.
Der indische Jurist Mahatma Ghandi führte mit gewaltfreiem Widerstand einen erfolgreichen Kampf für die Unabhängigkeit Indiens an.

Sie waren also Aktivisten, die für Bürgerrechte und mehr Freiheit in ihrem Land kämpften.
Aber auch im Alltag erfahre ich warmherzige Taten von meinen Mitmenschen.
Erst gestern bekam ich zufällig mit, wie eine Dame eine verletzte Katze aus einem Zaun befreite. Mir wäre das Miauen des Kätzchens nicht aufgefallen, aber die Fußgängerin wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Sie kontaktierte mit Hilfe des Halsbandes den Besitzer und fuhr dann mit dem Tier zum Arzt. So ist das Gute allgegenwärtig. Manchmal in Form eines lauten Protests, der weltverändernde Reformen erreicht. Manchmal aber auch im Kleinen, in unserer unmittelbaren Umgebung.

Als nächstes wäre da noch die unerschütterliche Hoffnung, dass alles besser wird, egal wie aussichtslos die Situation auch scheint.
Ich denke jeder kennt das Gefühl, alles würde einfach alles nur noch schieflaufen. Mal wird man den erforderlichen Leistungen der Gesellschaft nicht gerecht, ein anderes Mal belastet einen der eigene Druck so sehr, dass man sich am liebsten vor seinen Aufgaben verkriechen würde.

Hinzu kommen täglich schlechte Nachrichten aus der Welt, die sich wie ein trauriger Dauerregen in unserem Kopf festsetzt.
Doch egal wie schwer das Leben manchmal auch ist, ich durfte in der Vergangenheit immer erfahren, dass nach jedem noch so tiefen Tal, ein umso höherer Berg folgt. Dass auf jede traurige Nachricht auch mindestens eine Gute folgt. Das hilft mir, in Zeiten des Zweifels nicht die Hoffnung zu verlieren.

Zuletzt fühle ich nichts als Dankbarkeit für meine Liebsten und Liebe für mein Leben.
Es ist ein wunderschönes Gefühl geliebt zu werden und ein noch schöneres, diese erfahrene Liebe in die Welt tragen zu können.
Ist nicht jeder Tag an dem ich meine Augen aufschlage ein Grund um dankbar zu sein?

Sind nicht all diese von mir beschriebenen Gefühle und Gedanken genau das, was in der Bibel als „Gott“ beschrieben wird?
Ein Gott, der uns die Fähigkeit gab, Gutes zu vollbringen und es durch Jesus vorlebte.
Ein Gott, der uns lehrte, in schlechten Zeiten niemals die Hoffnung zu verlieren und uns versprach unser Hirte zu sein. Um uns durch das dunkle Tal zu leiten, weil wir aus eigener Kraft den richtigen Weg nicht mehr finden.

Ein Gott, der alliebend ist und jedem Einzelnen von uns das Leben und die Liebe schenkte.
Ich bin mir sicher, dass in jedem von uns ein Teil dieser Gottesoffenbarung schlummert.
Wie ein wertvoller Schatz den wir schon längst besitzen, wartet sie darauf wahrgenommen zu werden. Gelebt und verinnerlicht zu werden.
Wir Menschen vergessen diesen Schatz viel zu schnell und lassen ihn einrosten. Ängste und Zweifel scheinen oft größer als Hoffnung und Zuversicht. Doch Gott hat uns eben nicht den Rücken zugekehrt. Er ist da, in uns und unter uns. Zum Schluss würde ich meine Gedanken gerne mit folgendem Zitat aus der Bibel zum Ende führen:

„Diese Hoffnung aber geht nicht ins Leere. Denn uns ist der Heilige Geist geschenkt und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.“- Römer 5:5

Ida Goerdten

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