Liebe Gemeinde,
Vor einigen Jahren habe ich die Bücher des Schriftstellers Hanns-Josef Ortheil entdeckt. Vor seiner Geburt hatten seine Eltern vier Söhne verloren. Die Mutter verstummte daraufhin und der Sohn mit ihr. Ein langer Urlaub mit dem Vater bei der Verwandtschaft im Westerwald brachte den Jungen langsam vom Schreiben zum Reden.

Seit dieser Zeit gehört Schreiben für Ortheil zum Leben dazu. Er erzählt davon, dass er täglich Notizen macht: über Beobachtungen, über alles, was ihm auf- oder einfällt. Er führt also ein Tagebuch.

Wie ist das bei Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, schreiben Sie Tagebuch?
Was schreiben Sie auf? Ihre Gedanken? Das, was am Tag passiert ist? Neuigkeiten aus dem eigenen Leben oder aus der Welt?
Ich lese gerne Tagebücher: von Max Frisch, Dietrich Bonhoeffer oder Anne Frank. Es berührt mich, diese Menschen kennenzulernen, von ihnen persönlich Ereignisse ihres Lebens zu erfahren.
Gott schreibt auch ein Buch – das Buch des Lebens. Und dort stehen alle unsere Namen. So heißt es in einigen Schriften des Neuen Testaments.
Wir sind Teil von Gottes Leben, gehören für ihn dazu. Jeder Name hat ein eigenes Kapitel in Gottes Tagebuch des Lebens. Nichts ist unwichtig, niemand wird vergessen.
Und wenn der letzte Buchstabe geschrieben ist, dann wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. „Siehe, ich mache alles neu“, sagt Gott. Ich mag neue Bücher und neue Geschichten. Jede neue Geschichte ist ein neues Leben, hier und in Ewigkeit.
Pfarrerin Maike Kniese

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