KonfiKurs am 9.4.2022

Glaubensbekenntnis

In der Kirche bekennt man sich zu wichtigen Glaubensaussagen, die in Bekenntnissen zusammengefasst sind. Sie werden im Gottesdienst gemeinsam gesprochen. Auf diese Sätze haben sich die Christen der frühen Kirche im vierten Jahrhundert geeinigt, um sich ihres Glaubens zu vergewissern. Sie wurden über die Jahrhunderte weitergegeben.

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

Erklärung zum Glaubensbekenntnis

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis geht es nicht um eine Beschreibung oder Nacherzählung von Ereignissen, sondern darum, welche Rolle Gott, Jesus Christus und Heiliger Geist für Menschen in der Zeit bedeuten, in der sie gerade leben. Und es geht um das, was ich hier und jetzt von meinem Glauben sagen möchte. Das alte Bekenntnis leiht mir dafür Bilder und Symbole, die mehr ausdrücken wollen als unsere Alltagssprache sonst. Und weil der in Jahrhunderten gewachsene Glaube der Kirche mehr ist, als ein einzelner Mensch fassen kann, bleibt für viele Menschen immer auch ein geheimnisvoller Rest, der sich nicht ganz deuten lässt.

1. Artikel: Was wir von Gott bekennen

Ich glaube an Gott, den Vater,
Jesus hat Gott Vater genannt und damit ausgedrückt, dass Gott ihm sehr nahe war. Vielleicht hatte Jesus seinen Vater und seine Mutter als Eltern erlebt, die es ihm leicht gemacht haben, von Gott in dieser familiären Wei-se zu reden. Wer von Vater oder Mutter enttäuscht ist, wird sich damit wohl schwer tun. Wer sich auf Gott einlässt, kann aber auch entdecken: Gott ist mehr, als leibliche Eltern sein können.
Wer Gott Vater nennt (oder Mutter, wie viele Frauen das heute tun), er-klärt damit die Menschen zu Geschwistern, die füreinander verantwortlich sind.

… den Allmächtigen,
immer wieder wünschen Menschen, Gott möge vom Himmel herabfahren, das Böse ausrotten und Gerechtigkeit schaffen. Aber offensichtlich will Gott gerechte Zustände in der Welt nicht von oben herab bewirken, son-dern mit seinen Geschöpfen – also von unten herauf. Dafür braucht es Menschen, die gemeinsame Sache mit Gott machen. Allmacht könnte dann heißen: Gott ist in allen Menschen mächtig, die das Gute wollen. Bis das gelingt, werden wir immer auch Gottes Ohnmacht sehen: Zeiten, Orte und Situationen, in denen Gott weit weg scheint und gar nicht machtvoll eingreift. Dennoch vertrauen Menschen darauf, dass Gott ihnen auch in solchen ohnmächtigen Erfahrungen nahe ist und sie Leid, Verzweiflung und Fragen aushalten lässt.

… den Schöpfer des Himmels und der Erden.
Alle Lebensmöglichkeiten kommen von Gott. Nicht die Natur in ihrer Un-berechenbarkeit bestimmt unser Leben, sondern Gottes gute Lebensord-nung. Sie bildet sich auch in der Natur ab. Gott will die Schöpfung be-wahrt und erhalten wissen. Wir Menschen sind dafür verantwortlich, sie nicht leichtfertig zu zerstören.

2. Artikel: Was wir von Jesus Christus bekennen

Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn,
„Eingeboren“ ist eine alte Formulierung für „der einzig geborene“ oder „der in die Welt hinein geborene“. In dieser alten Wendung wird deutlich, dass Jesus in einer besonderen Beziehung zu Gott steht: Er ist der „Chris-tus“, „d.h. der „Gesalbte“. Damit wird Jesus eine Würde zugesprochen, die ihm von Gott selbst verliehen ist: Jesus Christus vertritt Gottes Herr-schaft auf Erden. Deshalb geht es im Glaubensbekenntnis auch so wei-ter…

… unseren Herrn,
Das meint: Was Jesus in seinem Reden und Tun von Gott deutlich ge-macht hat, das nehme ich für mein Leben wichtig. Danach will ich mich in meinem Alltagsleben richten. Er und nicht andere „Herren“ soll mein Le-ben bestimmen.

… empfangen durch den Heiligen Geist,
Empfangen, d.h. aufgenommen wird Jesus, dessen Name selbst schon ein Bekenntnis ist (Jesus bedeutet: Gott hilft), nur durch den Heiligen Geist, der wie Gottes Schöpfungskraft oder Lebensatem ist. Das gilt damals wie heute. Viele, die an Jesus Christus glauben, sagen, dass nicht sie selbst, sondern Gottes Geist diesen Glauben in ihnen bewirkt hat. Das ist wie eine Liebesbeziehung zwischen Gott und Mensch. So können alle, die an Gott glauben, ihn auch zur Welt bringen: ihn verkündigen und mit dem eige-nen Leben bezeugen, seiner Botschaft Hand und Fuß verleihen, sie Mensch werden lassen. Nachfolge nennen wir das.

… geboren von der Jungfrau Maria,
In der Antike war das ein weit verbreitetes Motiv, die Jungfrauengeburt. Damit brachten Menschen zum Ausdruck: Dieser Pharao, oder wer immer der Herrscher war, ist ein besonderer Mensch, ja ein Sohn Gottes. Auch die Hebräische Bibel, die wir das Alte Testament nennen, kennt dieses Mo-tiv: Schon der Prophet Jesaja (Jes 7,14) spricht davon, dass eine junge Frau einst den Messias zur Welt bringen wird. Und Maria, die Mutter Jesu, war vielleicht dreizehn, vierzehn Jahre alt. So konnte dieses Motiv leicht auf Jesus übertragen werden, zumal Maria unehelich schwanger wurde. Im Alten Testament wird oft davon erzählt, dass allein Gott Leben gibt oder nimmt. Und eine Schwangerschaft wurde nicht nur als Folge einer Liebesbeziehung, sondern immer auch als Wunder, als Handeln Gottes erlebt. Auch Maria wurde durch dieses wunderbare Handeln Gottes vor Schimpf und Schande bewahrt. Und so besingt sie Gottes Macht wie eine Prophetin (Lukas 1,46–55).

… gelitten unter Pontius Pilatus,
Die Erwähnung von Pontius Pilatus in den Evangelien ist wie eine Zeitan-gabe: Pilatus war von 26 bis 36 unserer Zeitrechnung Prokurator des rö-mischen Kaisers in Jerusalem für die Provinz Judäa. Er verurteilte Jesus nach römischem Recht zur Kreuzigung. Historiker vermuten, dass Pilatus damit einem möglichen Volksaufstand gegen die Römer zuvorkommen wollte. Immerhin hielten sich zum Zeitpunkt der Gefangennahme Jesu Hunderttausend Menschen zum Passahfest in Jerusalem auf, zu viele für die römischen Besatzungstruppen.

… gekreuzigt,
Die Römer verhängten bei politischem Widerstand die Todesstrafe, zu-meist durch Kreuzigung. Die Verurteilten wurden ans Kreuz genagelt und dort hängen gelassen. Die Todesart war schmerzhaft und brutal und sollte abschrecken.

… gestorben und begraben,
Alle vier Evangelien berichten über Jesu Sterben und Tod. Nach seinem Tod erbittet ein gewisser Joseph aus der jüdischen Stadt Arimathäa von Pilatus den Leichnam Jesu, um ihn in einer Grabkammer zu bestatten. So geschieht es dann.

… hinabgestiegen in das Reich des Todes,
Zum antiken Weltbild gehörte die Vorstellung von einem Totenreich unter der Erde. Deshalb gaben z. B. die Ägypter ihren Toten Lebensmittel und Vorräte mit ins Grab, damit sie auf der Reise dorthin nicht hungern muss-ten. Diese Vorstellung von einem Totenreich begegnet auch im Glaubens-bekenntnis. Sie besagt: Jesus ist wirklich bei den Toten angekommen. Er teilt auch ihr Schicksal.

… am dritten Tag wieder auferstanden von den Toten,
Die Evangelien erzählen von der Auferstehung Jesu von den Toten nur indirekt: Die Frauen, die am Tag nach der Bestattung den Leichnam bal-samieren wollen, finden das Grab leer. Die Jünger wollen ihnen nicht glauben und sahen selber nach. Wiederholt erscheint ihnen der Aufer-standene. Als zwei von ihnen entmutigt und verzweifelt aus Jerusalem weglaufen, begegnet ihnen ein Unbekannter und erklärt ihnen, dass mit dem Leben Jesu das Gottesreich schon begonnen habe. Als sie dann ge-meinsam am Tisch sitzen, der Unbekannte das Brot bricht und den Wein mit ihnen teilt, erkennen sie, dass in diesen Zeichen Jesus unter ihnen ist und in ihnen lebendig bleibt. Sie eilen nach Jerusalem zurück und erzählen das den anderen Jüngern.

… aufgefahren in den Himmel,
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters,
Mit der Himmelfahrtsgeschichte nimmt Lukas noch einmal ein in der Anti-ke allgemein bekanntes Motiv auf. Für die Zeitgenossen Jesu war das nichts Aufregendes. Pharaonen und Kaiser kehrten nach damaliger Auffas-sung mit ihrem Tod zu den Göttern zurück, von denen sie auf die Erde gekommen waren. Im Glaubensbekenntnis bekommt diese Vorstellung einen besonderen Akzent: Jesu „Weg“ von der Erde in den Himmel „zur Rechten Gottes“ verbindet das Leben auf der Erde mit dem Himmel als Bild für Gottes Herrschaftsbereich. Mit Jesu „Rückkehr“ zu Gott beginnt zugleich seine Herrschaft durch den Heiligen Geist, der in den Menschen wirkt. So ist Jesus in den Menschen lebendig, die sich nach ihm richten wollen.

… von dort wird er kommen, zu richten die Lebendigen und die Toten.
Eines Tages, so die Hoffnung vieler, werden Gottes Liebe, Gerechtigkeit und Frieden sich durch¬setzen und alle und alles durchdringen. An diesem „Tag des Gerichts“ werden Menschen sich ändern, werden Machtverhält-nisse beendet. Noch leidet die Menschheit unter Krieg und Gewalt. Doch Gott wird am „Tag des Herrn“ die Verantwortlichen zur Rechenschaft zie-hen. Wer gelitten hat, wird aufgerichtet. Was nicht zu verantworten war, wird zurechtgerückt. Auch für die von Menschen geschundene Natur wird Gott Erlösung schaffen. Dann wird Gott bei den Menschen wohnen und umfassender Friede – Schalom – herrschen.

3. Artikel: Was wir vom Wirken des Heiligen Geistes bekennen

Ich glaube an den Heiligen Geist,
Heilig wird Gottes Geist genannt. In der Schöpfungsgeschichte, in Erzäh-lungen von Taufe, Sterben und Neuwerden erfahren wir, was damit ge-meint ist: die Lebenskraft Gottes, die Weite schafft, in Bewegung setzt, neu belebt, ermutigt, verändert und eine direkte Beziehung zu Gott er-möglicht.
Die Taufe ist ein Zeichen dafür, dass uns dieser Lebensatem von Gott selbst geschenkt ist als Kraft, die uns begleiten will. In ihr atmet Gott selbst in uns und wir können andere damit anstecken. Sie ist auch die Kraft, die uns mit Gott verbindet. Durch sie erkennen wir Gottes Wirken und Wille. Durch sie sind wir mit den anderen im Glauben verbunden.

… die heilige christliche Kirche,
Die Kirche ist die Gemeinschaft derer, die im Glauben an Jesus Christus durch den Heiligen Geist verbunden sind. So ist Kirche gemeint. In ihr soll Gott selber Platz haben. In ihr soll Gottes Wort gehört und weiter gesagt und danach gehandelt werden. In Taufe und Abendmahl werden die Nähe zu Gott und die Gemeinschaft untereinander gefeiert. Die Einheit der ei-nen christlichen Kirche ist Gottes Wille. Die Trennung der Kirchen ist Schuld der Menschen.

… Gemeinschaft der Heiligen,
Gottes guter Geist heiligt die Menschen. In unserem Leben soll davon et-was deutlich werden: Gerechtigkeit und Frieden will Gott für die ganze Menschheit und die gesamte Schöpfung. Damit uns das nicht überfordert, sind wir als einzelne Menschen Teil einer Glaubensgemeinschaft.

… Vergebung der Sünden,
Gott weiß, wie begrenzt und unvollkommen wir sind. Wir leben davon, dass uns immer wieder ein neuer Anfang ermöglicht wird und wir nicht auf unsere Schuld festgelegt werden. Das nennen wir Vergebung. Gott ver-dammt nicht und verurteilt nicht. Gott bringt zurecht, richtet aus und auf und erlaubt Würde trotz Schuld.

… Auferstehung der Toten
Christen glauben, dass der leibliche Tod und andere Todesmächte nicht das letzte Wort behalten. „Auferstehung“ ist die Übersetzung eines grie-chischen Wortes, das wörtlich übersetzt bedeutet: Aus der Erde heraus kommen, sich aufrichten, aufstehen. Es meint damit die Macht und Kraft, die uns hindert, uns dem Erdboden gleichzumachen oder ins Totenreich abdrängen zu lassen. Es meint auch die Macht und Kraft, die uns, wenn es doch geschieht, wieder aufrichtet und neu belebt. Das gilt mitten im Le-ben und auch im körperlichen Tod. Es galt Jesus Christus zuerst und es gilt allen Menschen vor ihm und nach ihm.

… und das ewige Leben.
Wir erleben die Herrschaft des Todes im Privaten und weltweit. Ewiges Leben ist nicht die unendliche Dauer von etwas, das wir schon kennen und ständig erleben. Sondern ein Leben, in dem wir verbunden sind mit dem wirklichen Leben, das wir Gott nennen. In diesem wirklichen Leben wird es kein Sterben und keinen Tod mehr geben.

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